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Unsere Wirkungslogik

Warum wir dort ansetzen, wo wir ansetzen. Wählen Sie eine Fassung.

Unsere Idee in einfachen Worten

Das Problem

Die Erde hat Grenzen. Forschende haben neun solcher Grenzen beschrieben. Sieben davon haben wir schon überschritten.

Manche Teile der Erde können kippen, zum Beispiel Korallenriffe, der Regenwald am Amazonas oder das Eis auf Grönland. Stellen Sie sich einen Stuhl vor, auf dem Sie nach hinten kippeln. Lange geht es gut. Dann ist es ein Millimeter zu viel, und Sie fallen. Wenn diese Teile der Erde kippen, lässt sich das für Jahrhunderte nicht mehr rückgängig machen.

Was fehlt

Viele Menschen wollen das verhindern: Forschende, Organisationen, Menschen in Ministerien. Aber sie kennen sich oft nicht. Sie arbeiten nebeneinander her. Die Forschung liegt in einem Raum, die Entscheidung fällt in einem anderen.

Es gibt Zeitpunkte, an denen eine Entscheidung noch offen ist: kurz vor einer Abstimmung, vor einer Verhandlung, vor einem wichtigen Treffen. Wenn dann die richtige Information auf dem richtigen Tisch liegt, kann sie viel verändern. Später nicht mehr.

Wärmestreifen werden von blau zu rot, Biodiversitätsstreifen von grün zu grau, 1970 bis 2018
Oben: Die Temperatur steigt. Unten: Die Tier- und Pflanzenwelt schrumpft. 1970 bis 2018. Grafik: Ed Hawkins und Miles Richardson.

Was SAVE tut

Wir bringen diese Menschen zusammen. Dafür machen wir drei Dinge:

  • Wir schauen genau hin. Wer weiß was? Wer kennt wen? Wer entscheidet? Das zeichnen wir in einer Landkarte auf.
  • Wir bringen Menschen an einen Tisch. Genau dann, wenn eine Entscheidung noch offen ist.
  • Wir bereiten andere vor. Wir zeigen Menschen, wie sie selbst gut mit Politiker*innen sprechen.

Warum das funktioniert

Wir müssen niemanden überzeugen. Die meisten Menschen, die wir verbinden, wollen schon etwas ändern. Ihnen fehlt nur die Verbindung zueinander. Und: Die Gesellschaft kann auch kippen, aber in die gute Richtung. Oft reicht eine kleine, gut vorbereitete Gruppe, damit sich etwas Neues durchsetzt. Diese Gruppe muss aber schneller sein als die Natur.

Woran wir uns messen

Wir zählen nicht nur Treffen. Wir fragen: Wäre diese Verbindung auch ohne uns entstanden? Hat danach jemand etwas getan? Und wir sagen ehrlich, wenn viele zu einem Erfolg beigetragen haben.

Was uns noch fehlt

Viele Kontakte hängen heute an unserem Gründer. Damit SAVE auch ohne ihn funktioniert, brauchen wir bezahlte Stellen und gute Werkzeuge. Am meisten hilft uns deshalb Geld, das wir frei einsetzen dürfen, über mehrere Jahre.

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Koordinationsinfrastruktur für eine Zivilisation unter systemischem Stress

Ausgangslage

Zwei voneinander unabhängige Evidenzstränge führen zum selben Schluss. Erstens die physische Trajektorie: Die Forschung zu planetaren Grenzen (Rockström et al. 2009; Steffen et al. 2015; Richardson et al. 2023) verortet sieben von neun Grenzen als überschritten (Planetary Health Check 2025). Lenton et al. (2019) und der Global Tipping Points Report dokumentieren, dass mehrere Kippelemente an oder nahe ihrer Schwelle liegen; die Ausgabe 2025 kommt zu dem Schluss, dass Warmwasserkorallenriffe ihren thermischen Kipppunkt bereits überschritten haben. Anders als soziale Systeme setzen sich diese Systeme nach Überschreiten der Schwelle nicht zurück.

Zweitens die organisationale Trajektorie: Isolierte Interventionen erzeugen selten großskaligen Wandel ohne gemeinsame Agenda, geteilte Messung und eine Backbone-Organisation, deren Aufgabe Koordination selbst ist (Kania und Kramer 2011). Innerhalb der Klimabewegung erfüllen Koalitionssekretariate wie Klima-Allianz Deutschland und CAN Europe diese Funktion. Deutlich weniger Akteur*innen sind dafür finanziert, sie an den Grenzen zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Medien und Regierung zu erfüllen.

Titelseite des Planetary Health Check 2025
Planetary Health Check 2025, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Interventionspunkt

Wir intervenieren auf der Koordinationsebene: bei Beziehungen, Vertrauen und Informationsflüssen zwischen Akteur*innen, die vom Bedarf systemischen Wandels bereits überzeugt sind, einander aber im entscheidenden Moment strukturell nicht erreichen. Das unterscheidet uns von Theorien, die auf gesamtgesellschaftlichen Bewusstseinswandel setzen, dessen Zeithorizont mit der physischen Trajektorie kaum vereinbar ist, und ergänzt Ansätze, die Unternehmensführungen als First Mover gewinnen wollen.

Theoretische Begründung

  • Leverage Points: Meadows (1999) ordnet Eingriffe in Informationsflüsse und Paradigmen deutlich über Parameteränderungen wie Subventionen ein. Akteurskartierung, Convening und Advocacy-Training wirken fast vollständig auf dieser Ebene.
  • Sensitive Intervention Points: Farmer, Hepburn, Ives et al. (2019) argumentieren, dass komplexe adaptive Systeme Momente aufweisen, in denen kleine, präzise getimte Eingriffe überproportionale Kaskaden auslösen können. Briefings unmittelbar vor Entscheidungsfenstern sind die operative Form dieser These.
  • Netzwerkbrokerage: Granovetter (1973) und Burt (1992) verorten Wertschöpfung an den Nahtstellen sonst unverbundener Cluster. Die simulationsbasierte Kritik von Watts und Dodds (2007), Diffusion werde oft von vielen gut positionierten Akteur*innen getragen statt von wenigen Influencer*innen, nehmen wir ernst: Brokerage muss als lehrbare Methode institutionalisiert werden (Robinett 2014), nicht als persönliche Gabe.
  • Sozialkapital: Putnams (2000) Unterscheidung zwischen bindendem und brückenbildendem Kapital ist zentral. Fast jede Akteursgruppe in unserem Portfolio verfügt über reichlich bindendes, aber kaum brückenbildendes Kapital. Letzteres ist die knappe Ressource, die SAVE erzeugt (vgl. Bourdieu 1986; Coleman 1988).
  • Asymmetrie physischer und sozialer Kipppunkte: Otto et al. (2020) und Centola et al. (2018, mit einer im Experiment beobachteten kritischen Masse von rund 25 Prozent) legen nahe, dass soziale Systeme durch kleine, gezielte Minderheiten in ein neues Gleichgewicht gekippt werden können; Sharpe und Lenton (2021) sowie Nyborg et al. (2016) beschreiben die Mechanismen der Aufwärtsskalierung. Koordinationsgeschwindigkeit ist daher die Variable, die entscheidet, ob der erreichbare soziale Kipppunkt vor dem nahezu irreversiblen physischen eintritt.

Wirkungskette

  1. Outputs: Karten, Briefings, Convenings, Trainings. Notwendige Buchführung, nie die Schlagzeile.
  2. Kontrafaktische Verbindungen: Für jede vermittelte Verbindung halten wir fest, ob sie ohne uns nicht, später oder schwächer oder ohnehin zustande gekommen wäre, und lassen dies wo möglich von der Gegenseite bestätigen.
  3. Uptake: dokumentierte Handlungen der Empfänger*innen, etwa Folgeanfragen oder Frameworks in Planungsdokumenten.
  4. Beitrag zu Entscheidungen: Process-Tracing-Fallstudien, berichtet als Beitrag, nie als alleinige Ursache.
  5. Wirkung: eine geringere Wahrscheinlichkeit, physische Kipppunkte zu überschreiten. Für einzelne Organisationen nicht messbar, deshalb berichten wir die vier vorgelagerten Glieder.

Zwei Annahmen tragen diese Kette und werden von uns am aktivsten getestet: dass Entscheidungsträger*innen empfänglich sind, wenn Input in ein offenes Fenster fällt, und dass vermittelte Verbindungen fortbestehen, ohne dass SAVE in der Mitte steht.

Offene Fragen und strukturelle Risiken

  • Gründerabhängigkeit: Ein großer Teil der Brokerage-Glaubwürdigkeit liegt derzeit bei einer Person. Flexible, mehrjährige, nicht zweckgebundene Förderung ist der Mechanismus, mit dem aus einem persönlichen ein institutionelles Netzwerk wird: Gehälter, geteiltes Wissensmanagement und KI-gestützte Skalierung repetitiver Brokerage-Aufgaben.
  • Attributionsproblem: Der kausale Beitrag von Koordination zu einzelnen Policy-Outcomes ist inhärent diffus. Wir empfehlen, uns an intermediären Metriken zu messen statt an Alleinursächlichkeit.
  • Endliches Vertrauenskapital: Jede Vorstellung verbraucht Reputation, die nur durch Nachverfolgung erneuert wird. Das begrenzt, wie schnell das Modell wachsen kann, ohne an Qualität zu verlieren.

Literatur

  • Bourdieu, P. (1986). The Forms of Capital.
  • Burt, R. S. (1992). Structural Holes. Harvard University Press.
  • Centola, D. et al. (2018). Experimental evidence for tipping points in social convention. Science 360.
  • Coleman, J. S. (1988). Social Capital in the Creation of Human Capital. American Journal of Sociology 94.
  • Farmer, J. D., Hepburn, C., Ives, M. C. et al. (2019). Sensitive intervention points in the post-carbon transition. Science 364.
  • Granovetter, M. S. (1973). The Strength of Weak Ties. American Journal of Sociology 78(6).
  • Kania, J. und Kramer, M. (2011). Collective Impact. Stanford Social Innovation Review.
  • Lenton, T. M. et al. (2019). Climate tipping points, too risky to bet against. Nature 575.
  • Lenton, T. M. et al. Global Tipping Points Report, University of Exeter, Ausgaben 2023 und 2025.
  • Meadows, D. (1999). Leverage Points: Places to Intervene in a System. Sustainability Institute.
  • Nyborg, K. et al. (2016). Social norms as solutions. Science 354.
  • Otto, I. M. et al. (2020). Social tipping dynamics for stabilizing Earth's climate by 2050. PNAS 117(5).
  • Putnam, R. D. (2000). Bowling Alone. Simon & Schuster.
  • Richardson, K. et al. (2023). Earth beyond six of nine planetary boundaries. Science Advances 9(37).
  • Robinett, J. (2014). How to Be a Power Connector. McGraw Hill.
  • Rockström, J. et al. (2009). A safe operating space for humanity. Nature 461.
  • Sakschewski, B., Caesar, L. et al. (2025). Planetary Health Check 2025. PIK.
  • Sharpe, S. und Lenton, T. M. (2021). Upward-scaling tipping cascades to meet climate goals. Climate Policy 21(4).
  • Steffen, W. et al. (2015). Planetary boundaries: Guiding human development on a changing planet. Science 347.
  • Travers, J. und Milgram, S. (1969). An Experimental Study of the Small World Problem. Sociometry 32(4).
  • Watts, D. J. und Dodds, P. S. (2007). Influentials, Networks, and Public Opinion Formation. Journal of Consumer Research 34(4).

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